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HLW im Fernsehen: Warum Herzstillstand oft unrealistisch dargestellt wird

Frau übt Herz-Druck-Massage an Mann auf Boden, folgt Erste-Hilfe-Anleitung auf Smartphone und TV.

Figuren aus Fernsehserien, die ausserhalb eines Krankenhauses einen Herzstillstand erleiden, erhalten deutlich häufiger eine HLW als Menschen in der Realität.

Wie aktuelle Forschung meines Teams an der University of Pittsburgh zeigt, vermitteln diese Serien bei der HLW jedoch oft überholte Vorgehensweisen und ein unzutreffendes Bild davon, wer besonders häufig einen Herzstillstand erleidet und wo er auftritt.

Die Darstellung von HLW in den Medien ist relevant, denn Studien belegen, dass Gesundheitsinhalte auf dem Bildschirm das Publikum beeinflussen können.

Als der Spieler der Buffalo Bills, Damar Hamlin, im Januar 2023 während eines Spiels einen Herzstillstand erlitt, verfolgte die Welt, wie medizinisches Fachpersonal unverzüglich eine kardiopulmonale Reanimation durchführte. Hamlin erholte sich vollständig. Anschliessend arbeitete ich gemeinsam mit einem Team aus der Notfallmedizin an der University of Pittsburgh – Hamlins Alma Mater – daran, allen Athletinnen und Athleten der Division I die HLW nur mit Herzdruckmassage zu vermitteln.

Bei unseren HLW-Schulungen an Mittelschulen im Raum Pittsburgh und in Hochschulsportprogrammen fragten Teilnehmende regelmässig, ob sie den Puls kontrollieren oder Beatmungen durchführen sollten. Viele verwiesen auf HLW-Szenen in Serien wie „Grey's Anatomy“.

Medizinische Fachkräfte führen diese Schritte bei einer herkömmlichen HLW zwar durch, für ungeschulte Ersthelfende wird jedoch die wirksame HLW nur mit Herzdruckmassage empfohlen. Nachdem festgestellt wurde, dass die Person Hilfe benötigt und die Umgebung sicher ist, umfasst sie nur zwei Schritte: den Notruf 112 abzusetzen und kräftige, schnelle Herzdruckmassagen zu geben.

Da ich untersuche, wie medizinische Themen auf dem Bildschirm Zuschauerinnen und Zuschauer prägen, weckte das meine Neugier. Ich fragte mich, ob die Fragen zum Pulskontrollieren oder zu Beatmungen teilweise darauf zurückgingen, dass die Teilnehmenden diese Praktiken im Fernsehen gesehen hatten.

Die Wirkung der Medien

Mein Team und ich werteten 2022 165 Studien dazu aus, wie Gesundheits- und Medizinbeiträge in fiktionalen Fernsehformaten auf das Publikum wirken.

Dabei zeigte sich, dass TV-Handlungen Einstellungen, Wissen und Verhalten im Zusammenhang mit Gesundheit beeinflussen können. Dieser Einfluss kann schaden, etwa wenn Fernsehinhalte unzutreffende Informationen über Organspenden verbreiten.

Er kann aber auch positiv sein: Eine Studie ergab, dass Zuschauerinnen und Zuschauer einer Brustkrebs-Handlung in „ER“ eher zu Vorsorgeuntersuchungen rieten und eine Patientenlotsin beziehungsweise einen Patientenlotsen empfahlen, die oder der Betroffene während der Behandlung unterstützt.

Allerdings fanden wir keine Studien, die untersuchten, wie sich HLW-Darstellungen auf dem Bildschirm auf das Publikum auswirken. Frühere Untersuchungen zu Herzstillständen und HLW im Krankenhaus stellten zwar Ungenauigkeiten bei der Technik der Herzdruckmassage und bei Überlebensraten in den Medien fest, doch keine befasste sich mit Herzstillständen ausserhalb von Krankenhäusern oder mit HLW durch Laienhelfende.

HLW im Fernsehen

Mein Team durchsuchte die Internet Movie Database nach Folgen US-amerikanischer Fernsehserien, in denen ein Herzstillstand ausserhalb des Krankenhauses oder eine HLW nur mit Herzdruckmassage gezeigt wird. Berücksichtigt wurden ausschliesslich Folgen, die nach 2008 veröffentlicht wurden – dem Jahr, in dem die American Heart Association die HLW nur mit Herzdruckmassage erstmals befürwortete.

Von den 169 Folgen, die unsere Kriterien erfüllten, erfassten wir die soziodemografischen Merkmale der Figur mit Herzstillstand und der wichtigsten Zeuginnen und Zeugen. Zudem dokumentierten wir, ob, wie und wo eine HLW nur mit Herzdruckmassage durchgeführt wurde.

Erfreulich war, dass bei mehr als 58% der Figuren mit Herzstillstand ausserhalb eines Krankenhauses eine Laienperson HLW leistete. Im echten Leben erhalten jedoch weniger als 40% der Menschen mit einem Herzstillstand ausserhalb des Krankenhauses HLW.

Solch hohe Raten gezeigter HLW könnten Zuschauerinnen und Zuschauer zum Handeln bewegen. Das verdeutlicht der Fall eines 12-jährigen Jungen, der 2023 ein Leben rettete, indem er die in „Stranger Things“ gesehenen HLW-Techniken anwendete.

Allerdings wurde die HLW nur mit Herzdruckmassage in weniger als 30% der Folgen korrekt ausgeführt. In fast 50% der Folgen gaben Figuren Atemspenden, und in 43% der Folgen überprüften sie den Puls.

Wir prüften nicht unmittelbar, ob diese Folgen das Verhalten des Publikums verändern. Aufgrund unserer Beobachtungen bei HLW-Schulungen ist jedoch deutlich, dass solche Darstellungen Zuschauerinnen und Zuschauer bei der Durchführung einer HLW nur mit Herzdruckmassage in die Irre führen können.

Wer im Fernsehen HLW erhält – und wo

Unsere Ergebnisse werfen zudem die Frage auf, ob Fernsehbilder von Herzstillständen das Publikum darüber täuschen, wo kardiale Notfälle geschehen und wer am ehesten HLW benötigt.

Bei den im Fernsehen dargestellten Herzstillständen ausserhalb eines Krankenhauses ereigneten sich nur 20% zu Hause. Tatsächlich treten mehr als 80% der Herzstillstände ausserhalb von Krankenhäusern im häuslichen Umfeld auf.

Ausserdem waren die Personen mit Herzstillstand auf dem Bildschirm jünger als in der Realität: Mehr als 50% der Figuren waren unter 40 Jahre alt. Im echten Leben liegt das Durchschnittsalter bei etwa 62 Jahren.

Schliesslich stellten wir fest, dass fast 65% der Personen, die eine HLW nur mit Herzdruckmassage erhielten, und 73% der HLW leistenden Rettenden weiss und männlich waren. Das entspricht den Statistiken aus der Realität, nach denen People of Color und Frauen mit Herzstillstand ausserhalb des Krankenhauses seltener von einer Laienperson HLW erhalten.

Genaues Fernsehen kann Leben retten

Die Leitlinien der American Heart Association für HLW und kardiovaskuläre Notfallversorgung aus dem Jahr 2025 betonten, dass die Allgemeinbevölkerung sich selbst bei der Durchführung einer HLW nur mit Herzdruckmassage vorstellen können muss. Zugleich soll die HLW-Ausbildung verbessert werden, damit alle Menschen, die HLW benötigen, sie auch erhalten.

Unser Team untersucht, welche Eindrücke Zuschauerinnen und Zuschauer aus TV-Darstellungen von HLW mitnehmen. Ziel ist eine Zusammenarbeit mit Fachleuten aus dem öffentlichen Gesundheitswesen und der Medizin, um die Darstellung von HLW in Hollywood zu verbessern.

Frühere Forschung hat gezeigt, dass Unterhaltungserzählungen altruistisches Verhalten anregen können. Medienberichte dokumentierten zudem Fälle, in denen Menschen HLW leisteten, nachdem sie diese auf dem Bildschirm gesehen hatten.

Meiner Ansicht nach könnte fesselndes fiktionales Fernsehen deshalb ein wirkungsvolles und kosteneffizientes Mittel sein, die HLW-Ausbildung zu verbessern und letztlich Leben zu retten.

Beth Hoffman, Assistenzprofessorin für Verhaltens- und Gemeindegesundheitswissenschaften, University of Pittsburgh

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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