Zum Inhalt springen

Zimt, Kurkuma und Ingwer: Können Gewürze Medikamente beeinflussen?

Person nimmt eine Pille, neben natürlichen Heilmitteln wie Zimtstangen, Kurkuma und Ingwer auf einem Tablett

Eine Prise Zimt im Porridge, etwas Kurkuma im Curry oder ein Hauch Ingwer im Gebäck: Diese beliebten Gewürze gehören in Küchen auf der ganzen Welt zum Standard.

Seit Jahrhunderten dienen Gewürze nicht nur dazu, Speisen Geschmack zu verleihen. In der traditionellen ayurvedischen und chinesischen Medizin werden sie wegen ihrer heilenden Eigenschaften ebenfalls geschätzt. Doch kann bereits ein Löffel Gewürz die Wirkung von Medikamenten beeinflussen?

Zimt etwa wird aus der Rinde von Bäumen der Gattung Cinnamomum gewonnen. Er enthält wirksame Bestandteile wie Zimtaldehyd, Eugenol und Cumarin. Zimtöl, das aus Rinde oder Blättern gewonnen wird, findet häufig Verwendung als Lebensmittelaroma, in Duftstoffen und in pflanzlichen Heilmitteln.

Zimt wird mit verschiedenen möglichen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht: Er ist reich an Antioxidantien, könnte Entzündungen mindern, trägt zur Regulierung des Blutzuckers bei, senkt das Risiko von Herzerkrankungen und verbessert sogar die Gehirnfunktion. Traditionell wird er zudem eingesetzt, um die Verdauung zu unterstützen und Infektionen abzuwehren.

Eine aktuelle Studie der University of Mississippi weckt jedoch Bedenken, dass Zimt die Wirksamkeit bestimmter Medikamente verringern könnte.

Laboruntersuchungen zufolge aktiviert Zimtaldehyd Rezeptoren, die den Abbau und die Ausscheidung von Arzneimitteln aus dem Körper beschleunigen. Dadurch könnten Medikamente weniger wirksam sein. Diese Forschung befindet sich noch in einer frühen Phase und wurde bislang nicht an Menschen geprüft, wirft aber wichtige Fragen zu den Wechselwirkungen zwischen Zimt und modernen Arzneimitteln auf.

Zimt, Cumarin und Arzneimittelwechselwirkungen

Auch die Zimtsorte spielt eine Rolle. Der in Supermärkten am häufigsten angebotene Cassia-Zimt ist preisgünstiger, weit verbreitet und stammt aus Teilen Asiens.

Ceylon-Zimt, der oft als „echter Zimt“ bezeichnet wird, kommt aus Sri Lanka und ist im Allgemeinen teurer. Studien zufolge enthält Cassia-Zimt höhere Mengen an Cumarin, einer natürlichen Substanz, die in hohen Dosen die Leber schädigen kann.

Cumarin gilt ausserdem als Antikoagulans: Es hilft also, Blutgerinnsel zu verhindern. Das ist in der Medizin nützlich, kann jedoch riskant sein, wenn es mit blutverdünnenden Medikamenten wie Warfarin kombiniert wird.

Einige Fallberichte deuten darauf hin, dass Zimtpräparate zusammen mit Antikoagulanzien das Blutungsrisiko erhöhen könnten. Wahrscheinlich liegt dies daran, dass Cumarin Leberenzyme beeinflusst, die für den Abbau von Arzneimitteln wie Warfarin zuständig sind.

Manche Untersuchungen weisen zudem auf mögliche Wechselwirkungen von Zimt mit weiteren Medikamenten hin, darunter Schmerzmittel, Antidepressiva, Krebsmedikamente und Diabetesmedikamente.

Bevor Sie nun allerdings Ihr Gewürzregal ausräumen, sollten Sie eines beachten: Die Risiken sind mit hohen Dosen verbunden, insbesondere mit Nahrungsergänzungsmitteln. Eine kleine Menge Zimt im Porridge verursacht wahrscheinlich keine Probleme.

Kleine Mengen von Kurkuma und Ingwer

Ein weiteres Gewürz mit medizinischem Potenzial – und möglichen Risiken – ist Kurkuma. Die intensiv gelbe Zutat wird sowohl in der Küche als auch in der traditionellen Medizin verwendet und enthält Curcumin, einen Stoff, der für seine entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkungen geschätzt wird.

Die Erkenntnisse zu Wechselwirkungen zwischen Kurkuma und Medikamenten sind allerdings weiterhin begrenzt. Das meiste Wissen stammt aus Labor- und Tierversuchen, deren Ergebnisse sich nicht immer unmittelbar auf Menschen übertragen lassen.

Dennoch gibt es Hinweise darauf, dass Curcumin den Stoffwechsel einiger Arzneimittel verändern kann, vor allem durch die Beeinflussung von Leberenzymen. Somit könnte es möglicherweise mit Antidepressiva, Blutdruckmitteln, Chemotherapeutika und bestimmten Antibiotika interagieren.

Kurkuma besitzt ausserdem natürliche blutverdünnende Eigenschaften und könnte dadurch die Wirkung von Medikamenten wie Warfarin oder Aspirin verstärken. Tierversuche legen zudem nahe, dass Kurkuma den Blutzucker senken kann. Dadurch könnte es die Wirkung von Diabetesmedikamenten oder Insulin erhöhen.

Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Kurkuma den Blutdruck senken kann. In Verbindung mit Blutdruckmedikamenten könnte dies zu einem übermässigen Blutdruckabfall führen.

Wie bei Zimt werden diese Effekte meist mit hoch dosierten Präparaten in Verbindung gebracht, nicht mit den kleinen Mengen, die beim Kochen verwendet werden.

Auch Ingwer ist ein Gewürz, das insbesondere wegen seiner Wirkung gegen Übelkeit und Entzündungen geschätzt wird. Seine aktiven Verbindungen, darunter Gingerol, könnten jedoch ebenfalls beeinflussen, wie der Körper Medikamente verarbeitet.

Ingwer kann leicht blutverdünnend wirken, weshalb die gleichzeitige Einnahme mit Antikoagulanzien das Blutungsrisiko steigern könnte. Bei Ingwer und Diabetes ist die Studienlage uneinheitlich: Einige Untersuchungen sprechen dafür, dass er den Blutzucker senken kann, doch es braucht weitere Forschung, um seine Wirkung zusammen mit Diabetesmedikamenten vollständig zu verstehen.

Hohe Dosen aus Nahrungsergänzungsmitteln

Laborstudien lassen zwar vermuten, dass diese Gewürze die Verarbeitung bestimmter Medikamente im Körper beeinflussen können. Die überwiegende Mehrheit dieser Wirkungen wurde jedoch bei hohen Dosen beobachtet – meist durch Nahrungsergänzungsmittel und nicht durch die alltägliche Verwendung beim Kochen.

Wenn Sie Medikamente einnehmen, insbesondere Blutverdünner, Diabetesmedikamente oder Chemotherapeutika, sollten Sie vor der Einnahme neuer pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel kurz mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apothekerin beziehungsweise Ihrem Apotheker sprechen. Für die meisten Menschen ist es jedoch sicher, Gewürze in üblichen Mengen zum Kochen zu verwenden – und eine schmackhafte Möglichkeit, Mahlzeiten sowohl mehr Aroma als auch potenzielle gesundheitliche Vorteile zu geben.

Streuen, würzen oder geben Sie also ruhig etwas dazu – behalten Sie lediglich im Blick, was sich in Ihrem Medikamentenschrank befindet, und seien Sie vorsichtig mit hoch dosierten pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln.

Dipa Kamdar, Dozentin für pharmazeutische Praxis, Kingston University

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen