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Bildung und Ernährungsemissionen: Höhere Bildung, größere Klimabelastung

Junger Mann steht in moderner Kantine mit Tablett voller Essen vor geöffnetem Laptop am Tresen.

Bildung soll Menschen eigentlich zu umweltfreundlicherem Verhalten bewegen. Doch in 165 Ländern verzehrten die Bevölkerungsgruppen mit der höchsten Bildung jene Lebensmittel, die mit den größten Emissionen verbunden waren.

Oliver Taherzadeh und Hongyi Cai von der Universität Leiden berichteten über dieses Ergebnis in der Fachzeitschrift Nature Food.

Für ihre Untersuchung teilten die Forschenden Erwachsene in den betreffenden Ländern jeweils in 72 Gruppen ein. Die Einteilung beruhte auf Alter, Geschlecht, Schuljahren sowie dem Wohnort in Stadt oder ländlichem Raum.

Anschließend berechneten sie, welche Ressourcen nötig sind, um jede dieser Gruppen zu ernähren.

Die Gruppe mit den höchsten Werten ließ sich nicht allein über Bildung definieren: Es handelte sich um Stadtbewohner männlichen Geschlechts im Alter von 15 bis 34 Jahren mit der längsten Schulbildung.

Die Erzeugung ihrer Lebensmittel verursachte im Median täglich 5,7 Kilogramm Treibhausgasemissionen je Person. Das waren 44,8 Prozent mehr als der Median aller Menschen.

Ernährungserhebungen und Lieferketten

Die Berechnungen stützen sich auf drei Datensätze, die Forschende nur selten gemeinsam auswerten.

Der erste Datensatz umfasst nationale Ernährungserhebungen aus den Jahren 1985 bis 2017 und deckt 185 Länder ab.

Für 126 der in diese Analyse einbezogenen Staaten lagen Verzehrdaten aus dem Zeitraum von 2005 bis 2015 vor.

Der zweite Datensatz verfolgt Lebensmittel durch Lieferketten in 187 Regionen und enthält auf Basis von Daten aus dem Jahr 2018 Angaben zu Emissionen, Wasserverbrauch und Flächenbedarf.

Der dritte Datensatz bildet eine stellvertretende Bevölkerung von 7,34 Milliarden Menschen und fast 2 Milliarden Haushalten ab. Sie wurde so konstruiert, dass sie die tatsächliche Verteilung von Alter, Bildung und Wohnformen im Jahr 2015 widerspiegelt.

Niemand wog in dieser Untersuchung die einzelnen Mahlzeiten. Stattdessen nutzte das Team ein Modell, um den Lebensmittelbedarf der Gruppen zu schätzen; berücksichtigt wurden Menschen ab 15 Jahren.

Daten zu jüngeren Personen sind begrenzter und lassen sich schwieriger diesen Kategorien zuordnen.

Stadtmänner unter 35 Jahren verursachten die höchsten Emissionen

Am anderen Ende der Skala standen Frauen auf dem Land im Alter von 35 bis 54 Jahren mit der geringsten Schulbildung. Ihre Ernährung verursachte täglich 2,85 Kilogramm Treibhausgase und damit ungefähr die Hälfte des Höchstwerts.

Über ein Jahr gerechnet unterscheiden sich diese beiden Ernährungsweisen bei den Emissionen um rund 1.030 Kilogramm.

Pflanzliche Lebensmittel machten gemessen am Gewicht 62 Prozent der Ernährung mit den stärksten Auswirkungen aus, bei den Ernährungsweisen mit den geringsten Auswirkungen waren es 70 Prozent.

Weltweit verursachte die Ernährung von Männern mehr Emissionen als die von Frauen: täglich 4,4 gegenüber 3,4 Kilogramm.

Werden nicht Einzelpersonen, sondern ganze Bevölkerungen betrachtet, lagen die gesamten Emissionen der Stadtbevölkerung weltweit 55 Prozent über dem globalen Durchschnitt.

Höhere Bildung ging mit größeren Emissionen einher

In jeder untersuchten Region verursachte die Gruppe mit der höchsten Bildung überdurchschnittliche Emissionen. In Afrika übertraf sie den regionalen Durchschnitt um 14,4 Prozent, in Lateinamerika um 8,5 Prozent.

Das Team um Taherzadeh liefert eine Erklärung dafür: Menschen mit mehr Bildung verfügen häufig über höhere Einkommen und mehr Auswahlmöglichkeiten beim Einkauf. Diese Kaufkraft kann den umweltfreundlicheren Gewohnheiten entgegenwirken, die Bildung möglicherweise fördert.

Taherzadeh und Keiichiro Kanemoto hatten denselben Zusammenhang 2022 bei Erwachsenen in den USA in Environmental Research Letters beschrieben.

Menschen mit mittlerem Bildungsniveau stellen 49,3 Prozent der Weltbevölkerung. Ihre Ernährung verursacht den größten einzelnen Anteil der globalen ernährungsbedingten Emissionen.

Lebensmittel mit den niedrigsten Emissionen waren weniger gesund

Die Ernährungsweisen mit den geringsten Emissionen gehörten zugleich zu den ungesündesten. Ländliche Gruppen mit niedriger Bildung erzielten die schlechtesten Werte bei der Ernährungsqualität.

Das Team bewertete neun Bestandteile jeder Gruppen-Ernährung auf einer Skala von 0 bis 10. Grundlage waren Lebensmittel und Nährstoffe, die mit chronischen Krankheiten in Verbindung stehen. Diese Bewertung heißt Alternative Healthy Eating Index.

Über alle Gruppen hinweg war jeder um 5 Prozent höhere Wert mit 7,7 Prozent niedrigeren Emissionen, 4,4 Prozent weniger Wasserverbrauch und 7,2 Prozent weniger Flächennutzung verbunden.

Die Schätzung für die Emissionen könnte allerdings nur 5,4 Prozent oder bis zu 9,5 Prozent betragen. Es handelt sich um Muster zwischen Gruppen und nicht um das Ergebnis veränderter Essgewohnheiten einzelner Personen.

Selbst Gruppen mit gleich gesunder Ernährung unterschieden sich. Innerhalb des Zehntels der Gruppen mit den gesündesten Ernährungsweisen verursachten die am wenigsten gebildeten täglich 3,53 Kilogramm Emissionen, die am höchsten gebildeten dagegen 4,57 Kilogramm.

Drei Ländermuster statt eines einzigen Konzepts

Das Team ordnete die Länder drei Gruppen zu. Brasilien, Peru und Belize zählen zu einer Gruppe von 21 Staaten mit hohen Emissionen, unterdurchschnittlicher Ernährungsqualität und großen Unterschieden innerhalb der eigenen Landesgrenzen.

Jordanien, Oman und Mexiko gehören zu einer zweiten Gruppe mit 69 Ländern, in denen die Emissionen niedrig und die Ernährungsqualität durchgehend schlecht ist. Kongo, Uganda und Bulgarien stehen für eine dritte Gruppe mit 75 Ländern: niedrige Emissionen bei besserer, aber uneinheitlicher Ernährungsqualität.

„Wenn es um nachhaltige und gesunde Ernährungsweisen geht, gibt es keine Einheitslösung“, sagte Cai, der das Modell entwickelte.

Lebensmittelsteuern und Verbote verändern, was ein ganzes Land einkauft, können jedoch nicht zwischen gefährdeten Verbraucherinnen und Verbrauchern und Personen mit hoher Umweltbelastung unterscheiden. Informationskampagnen und Anreize im Supermarkt können dies leisten.

„Menschen treffen ihre Entscheidungen für Lebensmittel nicht isoliert“, sagte Paul Behrens, Mitautor an der Universität Leiden und der Oxford Martin School.

Was das Modell nicht berücksichtigt

Der Ernährungswert wurde anhand einer einzigen Bevölkerungsgruppe mit hohem Einkommen entwickelt. Ob er in einem Land mit niedrigerem Einkommen eine ausreichende oder kulturell übliche Ernährung beschreibt, ist weiterhin offen.

Detaillierte Individualdaten sind in Südasien und Teilen Subsahara-Afrikas weniger umfangreich, während Angaben zu Vitaminen und Mineralstoffen in Lateinamerika und der Karibik begrenzt sind.

Zudem sind einige der nationalen Kennzahlen zu den Auswirkungen, die dem Lieferkettenmodell zugrunde liegen, nicht mehr aktuell.

Weder Lebensmittelabfälle im Handel noch weggeworfene Speisereste in Privathaushalten wurden erfasst. Ihre Einbeziehung würde sämtliche Werte erhöhen, besonders bei jüngeren, städtischen und einkommensstärkeren Gruppen.

Die Rangfolge würde sich wahrscheinlich dennoch nicht ändern, da die Produktion von einem Kilogramm Fleisch oder Milchprodukten deutlich mehr Emissionen verursacht als ein Kilogramm pflanzlicher Lebensmittel.

Als Nächstes möchte das Team eine dritte Kennzahl untersuchen: die Kosten einer gesunden, emissionsarmen Ernährung.

Behrens merkte an, dass Ernährungspolitik nun auf jene Gruppen ausgerichtet werden könne, bei denen sie den größten Nutzen stiftet, „während sichergestellt wird, dass gefährdete Gruppen nicht zurückgelassen werden.“

Die vollständige Studie erschien in der Fachzeitschrift Nature Food.

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